Gipfelstürmer auf zwei Rädern

Karl-Heinz Held(64) und Sven Wegener(53) erklimmen bei der Tour Transalp 19.267 Höhenmeter

 Als langjähriger Erfolgstrainer der Löhner Leichtathleten ist er bekannt:
Karl-Heinz Held. Seit mehr als zwei Jahren sitzt der 64-Jährige auch auf dem Rennrand – und hat sich seiner ersten großen Herausforderung gestellt. Gemeinsam mit Sven Wegener(53) hat "Kalle" Held an der Tour Transalp, einem 823,79 Kilometer langen Teamrennen von Deutschland nach Italien, teilgenommen.

19.267 Höhenmeter müssen die Teilnehmer zwischen der deutschen Stadt Mittenwald und dem italienischen Arco nahe des Gardasees bewältigen.  Eine  Herausforderung,  für die Held und sein Radpartner in den vergangenen Monaten ordentlich in die Pedale getreten haben. "Ich bin etwa 5000 Kilometer gefahren. Die Anstiege habe ich rund um das Extertal trainiert. Wenn man dort mehrere Berge fährt, kommt man auch schon auf etwa 1500 Höhenmeter", sagt  Held, der im Radsport eine neue Herausforderung gesucht hat. "Den Laufweg zwischen Löhne und Bad Oeynhausen kannte ich schon auswendig." Die erste Etappe führt Held und Physiotherapeut Wegener von Mittenwald in Deutschland bis nach Sölden in Österreich – 115,37 Kilometer. "Am Start hat es richtig geregnet. Das Thermometer zeigte ein Grad plus an. Die Motivation war weit unten", sagt der Löhner. Doch nach wenigen Kilometern im Sattel   packt Held, ein Sportler durch und durch, der Ehrgeiz. "Erst wollten wir einfach nur durchkommen", berichtet er. Doch mit jeder Kurbelumdrehung schlägt   das Löhner Team ein höheres Tempo an und kommt nach sechs Stunden ins Ziel.

Am Tag zwei ist vom Regen dann keine Spur mehr. Dafür müssen Karl-Heinz Held und Sven Wegener sich auf 1500 Metern durch den Schnee kämpfen. "Uns sind sogar Kühe entgegen gekommen, weil sie oben kein Gras mehr gefunden haben", berichtet der Radfahrer von der zweiten Etappe, die Held und Teamkollege  Wegener von Sölden nach Brixen führt. Mit so einem schlechten Wetter haben die Löhner nicht gerechnet.

Die drei Trikots, die beide jeweils im  Koffer dabei haben, und der Rest der Ausrüstung schützen kaum vor der Kälte. "Wir waren nicht richtig ausgerüstet. Bei der Abfahrt konnte ich kaum bremsen, weil meine Hände eiskalt waren", berichtet "Kalle" Held. Der Gedanke ans Absteigen kommt dem 64-Jährigen aber zu keiner Sekunde in den Sinn. Auch nicht nach der Königsetappe, die das Löhner Duo über 154,74 Kilometer und 3490 Höhenmeter von St. Vigil bis nach Fiera di Primiero bringt. "Teilweise ging es 15 Kilometer am Stück den Berg hoch. Das kann man zu Hause nicht trainieren."

Die Devise lautet daher: Auf die Zähne beißen und sich ins Ziel kämpfen. Oft helfen sich Held und Wegener gegenseitig, fahren im Windschatten, um Kraft zu sparen. Beide wollen gemeinsam ins Ziel kommen. Denn nur die Zeit des zuletzt ankommenden Fahrers jedes Zweierteams wird gewertet.

Für den nächsten Renntag stärken sich die Sportler immer gemeinsam bei einer Pastaparty. Denn pro Etappe verbraucht man etwa 4500 Kalorien, berichtet Karl-Heinz  Held. An ein Weizenbier nach dem Rennen ist nicht zu denken. Man reißt sich am Riemen und übt Selbstdisziplin. Denn am Ende treibt einen  auch der Kopf über die Berge – und nicht nur die Beine, verrät der Löhner. Nach sieben Etappen ist die Tour Transalp für Held und Wegener mit schweren   Beinen und reichlich Muskelkater beendet. In der Grand-Masters-Klasse (das Alter beider Teilnehmer muss zusammen über 100 Jahre liegen) landen sie mit einer Gesamtzeit von 44.10,23 Stunden auf dem 81. Rang. Was bleibt ist die Erinnerung an ein besonderes Erlebnis. "Man hat sich gefühlt, als würde man  beim Giro d' Italia mitfahren«, sagt Karl-Heinz Held. Daher ist für den Löhner klar. Trotz aller Strapazen würde der 64-Jährige das Abenteuer Tour Transalp wieder wagen. "Das muss ich einfach noch einmal machen – auch wenn die Beine am Ende richtig schwer geworden sind."

     


Bericht aus "Westfalen-Blatt Nr. 173 vom 29.07.2014"
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