
Die Löhnerin und Shanice Craft sind vom DLV am Freitag dabei.
Sie musste zittern, aber es hat dann doch gereicht. Kristin Pudenz hat bei der Europameisterschaft der Leichtathletik in Birmingham am Mittwoch die Qualifikation im Diskuswerfen geschafft und darf am heutigen Freitag im Finale (20.30 Uhr) der besten zwölf Athletinnen in dieser Disziplin mit der ein Kilogramm wiegenden Diskusscheibe um die Medaillen fighten.
Aber es war ein Ritt auf der Rasierklinge der Löhnerin – und mit solchen Nerven aufreibenden Situationen hat die EM-Zweite von München 2022 in ihrer langen Karriere schon das eine und andere Mal Bekanntschaft gemacht. „Ich habe mich gut eingeworfen, aber dann war der erste Wurf im Wettkampf mit 54,56 Meter nur Mist. Ich war zu vorsichtig, weil ich den ersten auf keinen Fall ungültig machen wollte“, sagte die 33-Jährige am ARD-Mikrofon. Dann steigerte sich die für den OSC Potsdam startende Athletin auf für sie mäßige 60,48 Meter mit Luft nach oben und das machte wieder Hoffnung, denn die geforderte Norm für den direkten Final-Platz am Freitag lag bei 62,50 Meter. Im dritten Wurf landete der Diskus aber im Netz, sie beendete den Wettkampf in der ersten Gruppe auf dem 6. Platz und musste zittern, denn die zweite Gruppe der Diskuswerferinnen startete erst etwa zwei Stunden später.
„Im wollte im dritten Wurf einfach zu viel. Diese Vorsicht aus dem ersten Wurf habe ich nicht so richtig loswerden können. Links war ich ein bisschen zu langsam. Ich denke, 61 Meter hätten gereicht. Jetzt muss ich zittern. Das ist Mist, das wollte ich mir ersparen“, sagte Kristin Pudenz nach ihrem nicht so prickelnden Wettkampf. Aber es gab einige Stunden später das Happy End, knackten in der zweiten Gruppe nur die Schwedin Vanessa Kamga mit der Tagesbestweite von 64,65 Meter und die Holländerin Alida van Daalen mit 62,58 Meter die Norm von 62,50 Meter und schafften die direkte Quali für das Finale. Alle weiteren Athletinnen blieben unterhalb der 60 Meter, so dass Kristin Pudenz (auch schon mal Olympia-Zweite von Tokio in 2021) schließlich mit der achtbesten Weite des Tages in das Finale am Freitag einzog.
Ihre Dauerrivalin Shanice Craft vom SV Halle, die sie vor ein paar Wochen in Wattenscheid bei der DM nach sechs Deutschen Meistertiteln in Folge an der Spitze ablöste, knackte mit 63,46 Meter (zweitbeste Weite an diesem Quali-Tag) gleich im ersten Versuch die Norm und beendete frühzeitig den „Arbeitstag“. Die Dritte im Bunde vom DLV, Marike Steinacker vom TSV 04 Bayer Leverkusen, kam in der zweiten Gruppe gar nicht in die Puschen und schied sang- und klanglos nach zwei ungültigen Versuchen und nur 54,05 Meter aus. Die 33-jährige Shanice Craft war sehr zufrieden mit ihrem kurzen Auftritt: „Als ich ins Stadion reingelaufen bin, war die Stimmung richtig super, weil die Zehnkampf-Fans alle angefeuert haben. Das hat Spaß gemacht und gepusht, da konnte ich die positive Energie richtig aufsaugen.“ Dieser Energie gilt es nun am Freitag im Stadion von Birmingham mit dem Diskus in top Weiten umzusetzen. Die Löhnerin Kristin Pudenz muss sich gewaltig strecken, will sie an einer Medaille schnuppern. Zuzutrauen ist ihr alles.